Meerjungfrauen wissen mehr

Neulich war ich tauchen. Seitdem weiß ich: Unter Wasser bin ich besser im Leben. Es liegt am Muschel-BH.

Eine Kolumne von Mareike Miesen

Dunkelheit. Nur ein schwacher Lichtkegel, der aus meiner Taschenlampe fällt. Fasziniert beobachte ich den zarten Würfel im Licht. Er kommt näher – ich auch. Mein Dive-Buddy freut sich mit mir. Ich muss dem Drang widerstehen, den kleinen Würfel anzustupsen. Ihn durch die Nacht schweben zu sehen wie einen Astronauten durch das schwarze Nichts.

Die Augen des Dive-Masters: panisch. An der Oberfläche erfahre ich, warum: Box Jellyfish – Würfelquallen. Hochgefährlich, lerne ich. Knapp gewesen – zum Glück war ich entspannt.

Ich warte auf das vertraute Plopp in meinen Ohren. Tiefe drückt. Die Brust wird eng. Luft wird zum Luxusgut.

Das Paradoxe? Unter Wasser fühle ich mich leichter als je zuvor. Schwerelos. Frei.

Wie kommt es, dass Leichtigkeit an der Oberfläche so schwer spürbar ist? Hier bin ich doch in meinem Element.

An Land zählt Leistung. Wer nicht abliefert, verliert. Hast du kein WLAN, bist du nichts wert. Unsere Gedanken: ein hochfrequenter Tinnitus, der von Selbstzweifeln gefüttert wird. Erwartungen sind unser Kompass. Und wenn unser Inneres höflich die Hand hebt? Dann tun wir so, als säßen wir im falschen Meeting.

Unter Wasser ist das anders. Was Meerjungfrauen besser wissen: Wer gelassen ist, überlebt. Tiefe fordert Fokus. Der Oberflächen-Kopf hat Pause. Die Unterwasserwelt kommt ohne WiFi aus – und wir ohne Erwartungen. Hier lernen wir, uns selbst zu tragen. Im Muschel-BH fällt Vertrauen leichter. In uns selbst, in unsere Körper – und manchmal sogar in Würfelquallen.

Beim Tauchen geht es also nicht nur darum, mit giftigen Lebewesen zu spielen. Manchmal ist die größte Entdeckung, was in uns selbst passiert. Ein Moment im Neoprenanzug kann uns daran erinnern, wie Lebendigkeit wirklich schmeckt.

Wenn es mit der Leichtigkeit unter Wasser also besser klappt – warum nehmen wir diese Perspektive dann nicht mal mit in unsere Überwasserwelt? Dort gibt es wenigstens keine tödlichen Quallen.

Bis zum nächsten Augenzwinkern.

Mareike

Über die Autorin

Mareike Miesen schreibt über das, was andere nur spüren: bunte Abenteuer, leise Fragen und die unentdeckten Ecken der Welt – und des Lebens. Persönlich, unkonventionell und immer ein bisschen anders.

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ein bisschen Mehr

Kolumne: Ein bisschen Welt

Gedanken aus dem Unterwegssein – mit einem Augenzwinkern.

Die Welt zeigt sich oft in kleinen Momenten: in unerwarteten Begegnungen, schrägen Beobachtungen und Gedanken, die unterwegs entstehen. Ein bisschen Welt sammelt Gedankenkonfetti, leise Ironie und bunte Perspektiven – zum Schmunzeln, Kopfnicken und Weiterdenken.

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